Havanna - Teil 1 - Ankunft

Havannastyle

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Moin moin liebe Forumsmitglieder und Leser :)

die Reise nach Havanna soll ja nicht ohne Erlebnisbericht gewesen sein. :D

Nachdem fast drei Wochen rein Havanna schon eine Menge an Eindrücken hinterließ wird es wohl mehrere Abschnitte geben. So in etwa sollten sich die Erlebnisse und damit verbundenen Emotionen chronologisch einordnen lassen und vielleicht zeichnet sich so eine Ameisenspur nach, der der ein oder andere folgen kann.

Ankunft in Havanna

Schon ganz in Erwartung des Hitzeschocks, relativ schnell aklimatisiert. Liegt dies an der derzeit trockenen Hitze oder der eigentlichen Vorfreude, der Anspannung was da so alles auf einen zukommt? So genau kann ich das nicht einordnen.
Nunja, Ankunft heißt ja nicht gleich Ankunft, also anstellen und aufs Gepäck warten. Nachdem im Flieger Rauchen verboten ist und am Terminal ebenso wirds natürlich gleich ungemütlich.
Abwarten bis das Bodenpersonal das Gepäck aus dem Flieger verladen und aufs Gepäckband geworfen/geschmissen/gelegt hat.
Glas sollte man besser verdammt gut einpacken, je nachdem welcher Mitarbeiter an der Reihe ist und welches Gewicht die einzelnen Gepäckteile haben, landet es sanft oder kläglich auf dem zweiseitig verlaufendem Fließband. Folgen der fehlenden Automatisierung, immerhin Arbeitsplätze.
Geduld in Ungeduld üben ist nicht des Rauchers Sache, Zeit für den ersten Regelverstoß. Ab auf die Toilette und schnell ein paar Züge nehmen, bloß nicht erwischen lassen.....

Nach dem Gepäck geht es weiter zur Kontrolle. Schon wieder Schlange stehen? Nachdem sich alle bei der anscheinenden "Nichts-zu-verzollen-Reihe" versammeln, ein kurzer Blick und kubanischer Versuch. Gepäckkontrolle, ein Tisch, eine Frau im mittlerem Alter und ein älterer Herr.... da geh ich jetzt mal hin. Brav wird der Koffer geöffnet und der Inhalt präsentiert. Der Mann durchsucht vorsichtig den Inhalt und fragt ob ich Freunde besuche. Neben einer überschaubaren Anzahl an Kleidung befinden sich Unmengen an Tütensuppen/saucen, Gewürzen, Schokolade und Kosmetika im Koffer. Er hält eine Tüte hoch und erklärt mit glänzenden Augen, das sei "sopa". Ironischerweise hält er gerade eigentlich eine Fertigsauce hoch, dennoch bin ich gerührt. Spanisch wird einem von Anfang an beigebracht, die Kubaner scheinen ihre Sprache so sehr zu lieben das selbst wenn sie andere Sprachen verstehen und reden könnten..... spanisch sprechen damit das Gegenüber das ebenso lernt.

Kurz bevor der Koffer geschlossen wird werden die ersten zwei Tafeln Schokolade geopfert. Mit zwanzig Stück a zehn Sorten bleiben ja noch genug übrig. Die ersten Freudenszeichen machen sich breit, die Enkel haben mal etwas selten Süßes.

Schnurstracks nach den nichtmal fünf Minuten freiwillige "Zollkontrolle" mach ich mich auf den Weg zur Spitze der Urlauberschlange. Der jungen Frau mache ich deutlich das Ticket und Koffer schon vom Zoll kontrolliert wurden. Zuerst wurde ich kurz ignoriert, mein spanisch a la tourista halt. Nochmal mit Nachdruck, dort drüben "mi amor", sie blickt hinüber, der alte Herr und seine Kollegin winken. Jetzt darf ich vor allen passieren......

So gesehen jetzt 45 Minuten gespart und schnurstracks zur Vorlage der Touristenkarte . In der Kabine ein Foto, ein Blick ob das Visum vorhanden ist und weiter gehts. :D:D:D

Draußen wartet pünktlich der Privattaxifahrer wie vereinbart. Das klappt ja wunderbar. Es scheint mir ein ordentlicher Mann zu sein und schon gibt es den ersten Einblick in kubanische Straßenverhältnisse. Das Auto macht von außen einen soliden Eindruck, im Inneren ist die Konsole jedoch komplett ausgebaut. Wild hängen die Kabel nach unten, an einer Stelle wurde eine kleine Blockbatterie mit angeschlossen. Zur Isolierung ein kleiner Plastikbeutel umwickelt, damit der Fahrgast nicht aus Versehen in die Kontakte greift.

Beim nächsten Mal hat er ein besseres Radio im Auto erklärt er, deswegen sieht es vorne so wild aus. Es wird ja aktuell daran geschraubt.......


Auf der Hinfahrt nach Central Habana scheint die Sonne als würde ganz Kuba keinen Schatten mehr kennen.
Kleine Krater säumen die Fahrt, an manchen Stellen wurde der Untergrund unterspült und die Betondecken sind dementsprechend eingebrochen.Am Rand Palmenwälder die die üppige Natur Kubas vor den Augen halten. Ganz ungewohnt wenn man sowas noch nie gesehen hat. Erstmal kein Urlaubsfeeling sondern schlichtweg verarbeiten das ich nun ganz woanders bin. Andere Kultur, Klima, Umgebung, Politik....

Nach der beobachtenden Stille sucht der Taxifahrer die Unterhaltung, selbstverständlich rein in spanisch: "Er betreibe auch ein Restaurant in dem man gut und günstig essen könne" Empfehlungen sind fester Bestandteil der kubanischen Kultur. Welcher nachgegangen wird sollte stets vorher überlegt werden. Jeder empfiehlt irgendwie irgendwas, entweder auf Nachfrage oder im Gesprächsverlauf, fast als wäre es ein Erlebnissupermarkt.

Die Stadt Havanna zeichnet sich als Silhouette ab, bald treffen wir bei der ersten Casa Particular ein. Gleich in der Nähe des Capitolios wurde vorab gebucht, eine traumhafte Lage um in jede Richtung Habana zu erkunden. Nebenbei mit dem Kapitol ein guter Anhaltspunkt wieder zurückzufinden :D

Den Koffer möchte der Taxifahrer unbedingt für mich nach oben tragen, ich mache ihm deutlich das das nicht nötig sei. Solange zwei gesunde Hände vorhanden sind schafft das eigentlich jeder von alleine. Also warum jemand anderen meine Last tragen lassen?

Die Eingangstür des Hauses ist offen, eine Treppe in gutem Zustand die nach oben führt, links und rechts jeweils weitere Wohnungen. Der Gesamteindruck des Gebäudes: relativ guter Zustand. Nicht üblich in Kuba und je mehr hinter die Fassade gesehen wird somit eine Seltenheit in dem Bezirk.

Die Wohnung befindet sich im ersten Stock und auf dem Weg dahin müssen vier Türen aufgesperrt werden. Nirgendwo scheint sein Eigentum geschützter zu sein....

Die angemietete Casa bietet fast dreimal soviel Platz wie die eigene Wohnung daheim und das Möbiliar ist relativ schlicht und einfach gehalten. Keine Ansammlungen von Kleinigkeiten oder sogenannten Staubfängern und dennoch gemütlich.
Eine eigene kleine Küche, ein etwas größeres Wohnzimmer mit Esstisch und das Schlafzimmer. Im Schlafzimmer erwartet mich ein Eisschrank, die Klimaanlage dort kühlt sensationell und wird mir an einem Tag noch das Leben retten. Direkt neben dem sauber hergerichtetem Doppelbett befindet sich das Duschklo. Klein aber fein und ohne das kleinste Haar aufzufinden.

Direkt nach der Besichtigung kommen die Formalitäten an die Reihe. Der Reisepass wird vorgezeigt und die Daten in ein Büchlein notiert. Danach folgt eine Aufklärung wie auf Kuba mit Besuchern zu verfahren ist. Diese müssen vorab bei den Besitzern der Casa gemeldet werden und deren Ausweisdaten ebenfalls notiert. Auf Nachfrage warum folgt eine recht nüchterne Erklärung. Das Geschäft mit der "Liebe" brummt auf Kuba und die Casa-Besitzer sind für Ihre Gäste verantwortlich. Fehlt etwas aus meinem Zimmer werden diese haftbar gemacht und um dem entgegenzuwirken wird jeder Besucher eingetragen. Somit kann nachvollzogen werden wer der (im schlechtesten Fall) Rabe noch gewesen sein könnte.

Insgeheim denk ich mir, sowas kann mir selbst gar nicht passieren.

Auf Wunsch wird gekocht oder Frühstück zubereitet, für sonstige Fragen kann sich jederzeit an die Familie im Rückgebäude gewandt werden. Gleich um die Ecke ist ein Supermarkt, der offene Verkaufsmarkt ist zwei Seitenstraßen entfernt. So freundlich und höflich wie ich empfangen wurde, so freundlich und höflich wurde sich verabschiedet. Die Feinheiten der Wohnung und ihre Besonderheiten werden mir erst etwas später auffallen....

Erstmal den Koffer in Ruhe auspacken, danach mit einem gekühltem Cristal vor dem vergittertem Fenster sitzend eine Zigarette.... endlich angekommen......

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Die erste Nacht nähert sich, natürlich wurde da nicht geschlafen sondern die Umgebung des Kapitols erkundet. Mehr dazu jedoch im nächsten Teil :)
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Kuba - Einfach wahrgenommen (2) <- Link Teil 2
Kuba - Einfach einkaufen (3-1) <- Link Teil 3-1
Kuba - Einfach einkaufen (3-2) <- Link Teil 3-2
 

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